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Warum Hinsehen und Hinhören
wichtiger ist denn je



Verfasser Dr. Ernst Schütz, 26.10.2018

Werte-Tag am „RoKo“ ermuntert Lehrer und Schüler zum Mit-Denken und Mit-Gestalten

Es gibt wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt: die drei Affen. Sie sitzen uns gegenüber und tun eigentlich nicht viel. Und dabei machen sie doch alles falsch. Der eine sagt nichts, der andere sieht nichts, der dritte wiederum hört nichts. Was bei Konfuzius noch als moralischer Leitsatz gedacht war, um den Versuchungen der Welt zu widerstehen, das kann in Zeiten der Demokratie nicht funktionieren, in welchen es doch vor allem um Teilhabe und Selbstbeteiligung geht. Dass dieser Anspruch freilich kein Selbstläufer ist, davon wissen nicht nur gestandene Politologen ein leidiges Lied zu singen, sondern im Grunde ein jeder, der Augen hat zu sehen und Ohren zu hören. Nicht zuletzt aus eben jenem Grund gibt es seit vielen Jahren den so genannten „Werte-Tag“ an bayerischen Schulen, welcher am Robert-Koch-Gymnasium einen anerkanntermaßen hohen Stellenwert genießt. Mit viel Engagement und Elan wurde deshalb auch heuer wieder einiges in Bewegung gesetzt, um Sachkompetenz mit Herz und Charakter zu paaren und beides anhand praxisnaher Beispiele mitzuerleben und mitzugestalten – und das teilweise mit Pep.

Die Klasse 9b etwa hatte es verstanden, mit ihrer Klassenlehrerin OStRin Julia Baumann einen Workshop zum Thema „Zivilcourage“ auf die Beine zu stellen. Gemeinsam mit den beiden Polizeihauptkommissaren Günter Reithmeier und Josef Iser gingen sie der Frage nach, was unter diesem Begriff zu verstehen sei und wie man überhaupt „couragiert“ handeln könne – schließlich ist es doch nicht selbstverständlich hinzuschauen statt sich wegzudrehen, wenn z.B. andere im Bus bedrängt werden. Häufig ist es schwer abzuschätzen, ob man sich durch beherztes Handeln selbst in Gefahr bringt oder nicht. Oft fehlt das Wissen darüber, wie man sich situationsgerecht verhalten kann. Filmausschnitte und mit den Jugendlichen nachgespielte Alltagsituationen boten deshalb Impulse für Handlungsmöglichkeiten und Konfliktlösungsstrategien. Zudem gaben die Polizeibeamten den Schülern wertvolle Tipps an die Hand, wie man präventiv durch geschicktes Auftreten, Gestik, Mimik oder auch durch vorteilhafte Sitzplatzwahl in öffentlichen Verkehrsmitteln brenzligen Situationen aus dem Weg gehen kann.

Nicht minder beeindruckend war die Aktion der Klasse 7d, die sich mit ihrem Klassenleiter StR Oliver Kellermeier dem zwar altbekannten, dafür aber kaum erforschten Problem der Lärmbelastung in der Schule auseinandersetzte. In der Schulwoche vor dem Werte-Tag hatten sie hierfür insgesamt über 70 Lautstärkemessungen per Smartphone vorgenommen. Auf der Grundlage dieser Daten erstellten sie eine Ausstellung für ihre Mitschüler, mit denen nun in einen fruchtbaren Austausch über notwendige oder erwünschte Maßnahmen eingetreten werden kann – eine Art parlamentarischer Ausschuss im Kleinen, der sich vor so manchem Landtags- oder Bundestagsausschuss nicht verstecken müsste! In einem vergleichbaren Ansatz schafften es ihre Kameradinnen und Kameraden von der Klasse 7e, unter Anleitung von StRin Dr. Elisabeth Reichersdorfer Werte im Schulalltag festzulegen, die sie selbst für wichtig erachteten, um diese sodann mit der bestehenden Schulvereinbarung zu vergleichen bzw. auf ihre bisherige Umsetzung hin abzuklopfen. Sie stellten in einem kurzen Videoprojekt die positiven Aspekte ihres Schullebens dar und befassten sich sodann mit Verbesserungsvorschlägen. Dem Wunsch nach einem Mehr an Farbe und an Heimeligkeit wurde sodann auch schleunigst selbst entsprochen, indem die Schülerinnen (und wohl auch die Schüler) bunte Kissen nähten, die nun in den kommenden Monaten einen Teil ihrer Lern- und Lebensumwelt bilden werden – ein Schelm, wer hier die Kuschelpädagogik zitiert!

Der Werte-Tag der Klasse 8e wiederum drehte sich aus aktuellem Anlass rund um das Thema Plastikvermeidung. Nach einem plastikfreien Frühstück mit Klassenleiterin StRin Silvia Stahl und einem kurzen Einblick in die Chemie der Kunststoffe setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit Kunststoffrecycling, Unverpackt-Läden und dem berüchtigten Mikroplastik auseinander, welches gerade in den Tagen und Wochen davor für unrühmliche Schlagzeilen gesorgt hatte. In der Folge entschlossen sie sich dazu, wiederverwendbare Wachstücher herzustellen, in die sie in Zukunft ihr Pausenbrot einpacken können, ganz im Sinne einer Nachhaltigkeit, die nicht erzwungen, sondern erkannt und selbst eingeschlagen wird. Alle weiteren Projekte des Tages aufzuzählen wäre müßig: Sie waren nicht minder wertvoll, sei es hinsichtlich ihrer Auseinandersetzung mit Themen der Gesundheit, der Selbsteinschätzung oder auch und insbesondere des Dialogs und des Miteinanders sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule. Denn wo miteinander gesprochen wird, da gibt es keine Verbitterung, da gibt es keine billigen Phrasen. Und wo miteinander gesprochen wird, da ist auch Platz für Herz und Verstand. Alles andere gibt der liebe Gott gratis dazu!